Kennen Sie das Gefühl, innerlich hin- und hergerissen zu sein? Ein Teil von Ihnen möchte etwas – ein anderer lehnt es ab. Dieses alltägliche Erleben ist kein Zeichen von Schwäche oder Störung. Es spiegelt eine fundamentale Wahrheit über die menschliche Psyche wider: Wir sind nicht einfach „eine Person" – wir sind viele.
Was ist ein Ich-Anteil?
In der Ego-State-Therapie – entwickelt von den amerikanischen Psychologen John und Helen Watkins – bezeichnet ein Ich-Anteil (englisch: Ego State) einen abgrenzbaren Teil der Persönlichkeit, der eine eigene Geschichte, eigene Gefühle, eigene Überzeugungen und eigene Verhaltensweisen hat.
Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens verschiedene solcher Anteile – als natürliche Reaktion auf unterschiedliche Lebenssituationen und Anforderungen. Das ist kein pathologischer Befund, sondern normale menschliche Entwicklung.
Beispiele für Ich-Anteile im Alltag
Ich-Anteile zeigen sich oft in ganz alltäglichen Situationen – auch wenn wir das nicht so nennen:
Eine Therapeutin bemerkt, dass sie in Gesprächen mit bestimmten Klienten plötzlich sehr angespannt wird – obwohl sie eigentlich ruhig bleiben möchte. In der Ego-State-Therapie würde man fragen: Welcher innere Anteil wird hier aktiviert? Welche alte Erfahrung meldet sich?
Wie entstehen Ich-Anteile?
Ich-Anteile entstehen durch Erfahrungen – besonders durch prägende oder belastende Erlebnisse. Ein Kind, das in einer unsicheren Umgebung aufwächst, entwickelt möglicherweise einen Anteil, der immer wachsam ist. Ein Mensch der viel Lob für Leistung bekommen hat, entwickelt vielleicht einen sehr ehrgeizigen Anteil.
In traumatischen Situationen können sich Anteile auch stärker voneinander abkapseln – sie „dissoziieren". Das ist zunächst ein Schutzmechanismus. Wenn diese Abkapselung aber anhält, kann sie im Alltag zur Belastung werden.
Was macht die Ego-State-Therapie damit?
Das Ziel der Ego-State-Therapie ist nicht, bestimmte Anteile zu eliminieren – sondern ihnen zu helfen, miteinander in Verbindung zu treten. Ein verletzter Anteil soll gehört werden. Ein überarbeiteter Anteil darf Erleichterung finden. Ein ängstlicher Anteil kann Sicherheit erfahren.
Durch diese innere Arbeit entsteht mehr Kohärenz – das Gefühl, mit sich selbst im Einklang zu sein. Viele Klienten berichten, dass sie sich nach der Arbeit mit Ich-Anteilen weniger innerlich zerrissen fühlen und klarer entscheiden können.
Für wen ist die Ego-State-Therapie geeignet?
Die Ego-State-Therapie wird erfolgreich eingesetzt bei Traumafolgestörungen, Angststörungen, Depressionen, inneren Konflikten und Beziehungsproblemen. Sie eignet sich auch hervorragend als Methode für Coaches und Berater die Menschen in Veränderungsprozessen begleiten.
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